Narabo-Drei-bewegende-Zitate-Seneca-Frankl-Aristoteles-Sinn-Tätigkeit-Zeit-Philosophie

Erstaunlich ist immer wieder, was schon ein kleiner Haufen Buchstaben in uns bewegen kann.

Ich möchte in diesem Artikel drei nach meiner Ansicht wundervolle Textstellen mitteilen, die mich zu Zeiten sehr stark beeinflusst haben und es bis heute oftmals noch tun. Zunächst spricht Viktor Frankl zum Thema Sinn, dann Aristoteles über das Tätigsein und zuletzt Seneca über die Kürze des Lebens.

INHALT ÜBERBLICK
  1. Viktor Frankl – Ein Monument menschlicher Kraft
  2. Das Leben als sinnvolle Aufgabe
  3. Aristoteles – Denken und Handeln vereint
  4. Seneca – Wie die Angst vor dem Tod überwinden?
  5. Wie nutzt du deine Lebenszeit?
  1. Was hat uns Viktor Frankl über den Sinn des Lebens zu sagen?
  2. Was zeichnet den Tätigen nach Aristoteles aus?
  3. Wieso haben wir nach Seneca kein Recht uns über die Zeit zu beschweren?

Viktor Frankl – Ein Monument menschlicher Kraft

Über den Psychiater und Holocaust-Überlebenden Viktor Frankl habe ich bereits eine Einführung Über Leid und den Sinn des Lebens verfasst und werde mit Sicherheit noch oft auf ihn zurückkommen. Frankl war kurz gesagt ein unglaublicher Mensch, dessen Leben und Leiden, wie das Millionen anderer auch, niemals vergessen werden darf.

Besonders zeichnete ihn seine Lebensbejahung und sein unzerstörbarer Wille zum Sinn aus. Nachdem Frankl vier Konzentrationslager überlebte und schon während dieser furchtbaren Zeit niemals seine Hoffnung verlor, prägte er sein ganzes Leben hindurch mithilfe seiner tiefsinnigen Schriften und Arbeiten im Bereich der Psychotherapie das Leben unzähliger Menschen.

Frankl besaß und verkörperte die erbauliche Einstellung, dass es keine Lebenssituation gibt, aus der man für sich keinen Sinn beziehen könne. Selbst im schlimmsten Leiden ist es dem Menschen möglich einen Sinn zu finden, der dem Leben wieder eine positive Wendung verleiht.

1. Wir müssen lernen und die verzweifelnden Menschen lehren, daß es für uns eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns selbst erwartet! [1]

Das Leben als sinnvolle Aufgabe

Das Leben besitzt nach Frankl einen Aufgaben- und Verwirklichungscharakter, dem man immer – und zwar unter allen erdenklichen Umständen! – einen Sinn entnehmen kann, indem man nämlich Werte verwirklicht. Glück und Freude sind nicht das oberste Ziel menschlichen Lebens. Schließlich ist es immer ein Sinn, der den Menschen am Leben hält und für den der Mensch auch bereit ist sein Glück aufzugeben. So auch Nietzsche:

Hat man sein Warum des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem Wie. [2]

Genaueres erkläre ich zu der Werteverwirklichung in dem oben verlinkten Artikel zu Frankl. Ich möchte an dieser Stelle noch eine ausdrückliche Empfehlung für zwei seiner Werke aussprechen, nämlich erstens für seine Ärztliche Seelsorge und zweitens für sein weltbewegendes Hauptwerk: … trotzdem Ja zum Leben sagen – Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager.

Aristoteles –  Denken und Handeln vereint

Aristoteles war ein Tausendsassa, der fast keinen Bereich der Philosophie und Wissenschaft unberührt gelassen hat. Zentral war bei ihm das Thema ‚Ethik‘, genauer die Tugendethik, nach der „das menschliche Gut der Tugend gemäße Tätigkeit der Seele ist“ [4, 1098a]. Vernunft und Handeln müssen Hand in Hand gehen, um etwas Gutes zu sein. Sehr schön kommt es in seinem Werk Politik zum Ausdruck [3, Pol, VII. 3., 1325 b 16-23]:

2. Indessen braucht der Tätige sich nicht nur, wie manche meinen, mit anderen zu beschäftigen, und es ist nicht gesagt, daß bloß dasjenige Denken praktisch ist, bei dem man den Erfolg einer Handlung überlegt, sondern diejenigen Betrachtungen und Überlegungen beanspruchen in viel höherem Maße praktische Bedeutung und Wert, die sich selber ein Zweck sind und um ihrer selbst wegen angestellt werden […] Auch gelten uns vorzüglich diejenigen als eigentlich tätig …

… die durch ihr Denken, gleichwie Baumeister, auch die äußeren Handlungen alle maßgebend beeinflussen und bestimmen.

In dieser maßgebenden Beeinflussung und Bestimmung äußerer Handlungen durch das Denken findet sich ein tugendhaftes Element, dem wir uns im Alltag allzu häufig entziehen. Wir wissen meist ganz genau, was wir tun sollten, aber lassen es aus niederen Motiven wie Faulheit und Angst dann doch bleiben.

Der Tätige ist nicht nur bedacht eine Handlung tatsächlich zu verwirklichen, sondern auch ihren Wert, Vollzug und dergleichen zu durchdenken. Hier muss man jedoch mit großer Warnung darauf hinweisen, dass Handeln und Denken letztlich nicht divergieren dürfen.

Seneca – Wie die Angst vor dem Tod überwinden?

Die letzte kleine gedankliche Anregung stammt vom römischen Staatsmann und Philosophen Lucius Annaeus Seneca. Dieser war ein Anhänger der sogenannten stoischen Schule, die den Leitsatz verfolgte, dass „es keinen Unterschied zwischen Lust und Schmerz gäbe – das einzige, worauf es ankommt, sei die Tugend.“ [5]

Seine besondere Aufmerksamkeit widmete Seneca der Gemüts- und Seelenruhe, sowie den Themen rund um Zeit und Tod. Für sein Werk De brevitate vitae (Von der Kürze des Lebens) erlangte er große Bewunderung und auch reichlichen Einfluss auf seine Nachfolger. Mich hat dieses Werk in meiner frühen Jugend fasziniert.

Hier kannst du eine Einführung in wichtige Aspekte des Werks nachlesen. Eine der Kernthesen lautet:

Die dem Menschen gegebene Lebenszeit reiche absolut aus, wenn sie nur von Anfang bis Ende gut und entsprechend sinnvoll verwendet wird. Hieraus folgt nun kurzerhand, dass Seneca die Lebensweise der Menschen – geltend für die große Allgemeinheit – tadelt und ihnen wiederum entgegnet, sie seien gerade nicht vom Schicksal auf unfaire Weise gestraft, sondern nur verschwenderisch und mit den falschen Dingen des Lebens beschäftigt. [6]

Wie nutzt du deine Lebenszeit?

Wie oft beschweren wir uns darüber, dass wir keine Zeit oder zu wenig Zeit für alle möglichen Dinge haben? Für die meisten Menschen ist das ein alltägliches Phänomen und es wird zu einer Art Lebensstil. Man drückt sich vor Handlungen, man prokrastiniert und findet noch Gefallen daran! Es scheint nun, als würde sich immer mehr ein Konsum- und Bequemlichkeitskult in unserer Kultur ausbreiten.

Seneca hält dem entschieden entgegen, dass wir ja selbst für die Gestaltung und Verwendung unseres Lebens verantwortlich sind. Wir lassen uns jedoch viel zu sehr beherrschen von nichtigen Tätigkeiten, von Faulheit und Müßiggang – Senecas erbauliche Rede appelliert an das Tugendhafte im Menschen:

Ein kleiner Teil des Lebens nur ist wahres Leben; der ganze übrige Teil ist nicht Leben, ist bloße Zeit. Von allen Seiten drängt und stürmt das Unheil an und läßt nicht zu, daß man den Blick erhebe zur Betrachtung der Wahrheit, drückt jeden Menschen vielmehr in die Tiefe und fesselt sie an die Begierden. [7]

3. Nein, nicht gering ist die Zeit, die uns zu Gebote steht; wir lassen nur viel davon verloren gehen. (ebd.)


Quellen und Verweise

[1] Frankl, Viktor: Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn. Auswahl aus dem GW. München: Piper, 2015, S.173 | Literatur (DEU)

[2] Nietzsche, Friedrich: Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt. Leipzig: Alfred Kröner Verlag, 1922, Sprüche und Pfeile, 12 | Literatur (DEU)

[3] Zitiert nach der Übersetzung von Rolfes in der von Günther Bien überarbeiteten Ausgabe, Hamburg 1985 (Philosophische Bibl. Bd. 5) | Literatur (DEU)

[4] Aristoteles: Nikomachische Ethik. Übersetzt von Eugen Rolfes. Köln: Anaconda, 2009, zitiert nach der üblichen Bekker-Paginierung | Literatur (DEU)

[5] De Crescenzo, Luciano: Geschichte der griechischen Philosophie. Von Sokrates bis Plotin. Zürich: Diogenes Taschenbuch, 1990, S.188f. | Literatur (DEU)

[6] Artikel: Über Zeit, Leben und Tod – Seneca | Blog (DEU)

[7] Seneca: De brevitate vitae. Von der Kürze des Lebens zitiert aus: Seneca: Von der Seelenruhe | Vom glücklichen Leben. Köln: Anaconda, 2010, S.119f. | Literatur (DEU)