Narabo - Wie der Mensch denkt, so lebt er - James Allen

Wie können wir es schaffen unser Leben zu verändern?

Es kommt viel zu häufig vor, dass gewisse Faktoren der Außenwelt beträchtlichen Einfluss auf unser Leben nehmen und wir uns schwach fühlen – mehr noch überwältigt, machtlos und vom Schicksal betrogen. Wir wollen Ereignisse unseres Alltags verändern, die eigenen Vorsätze erfüllen und all unsre Träume verwirklichen aber schaffen es so oft nicht – warum?

INHALT ÜBERBLICK
  1. Die Macht der Gedanken
  2. Was möchte James Allen erreichen?
  3. Wir sind nicht Opfer äußerer Umstände
  4. Wir ernten was wir säen
  5. Ausblick: Neuroassoziative Konditionierung
  6. Wie können wir unser Verhalten verändern?
  7. Exkurs: Problem einer Grenze des Unbewussten
  8. Haben wir wirklich einen freien Willen?
  1. Welche These vertritt James Allen zum Thema Geist und Fähigkeiten des Geistes?
  2. Inwiefern beeinflussen uns äußere Umstände in unserem Leben?
  3. Was bedeutet Neuroassoziative Konditionierung?
  4. Welches Problem entsteht zwischen unbewussten und bewussten geistigen Vorgängen?

Die Macht der Gedanken

In seinem erstmals im Jahr 1903 erschienenen Buch As a Man Thinketh (dt. Wie der Mensch denkt, so lebt er), das nach eigener Aussage aus Meditation und Erfahrung entsprungen ist, bemüht sich der bedeutende Anhänger der Neugeist-Bewegung James Allen (1864-1912) darum keine Philosophie des Geistes aufzubauen oder überhaupt irgendein tolles kohärentes philosophisches System, sondern eine Motivation und Anregung das eigene Leben in die Hand zu nehmen, kein Sklave externer Faktoren zu verbleiben und diese so zu gestalten, wie man es sich kraft seines Denkens wünscht.

Ich werde in diesem Artikel also nicht auf den Leib-Seele-Dualismus eingehen und die Frage wie geistige immaterielle Phänomene physische Entitäten in einem kausalen Zusammenhang beeinflussen ebenfalls unbeachtet lassen.

Stattdessen werden wir uns die Einflüsse unseres Denkens anschauen, die wir unmittelbar aus der Erfahrung unseres Lebens und Alltags ablesen können – eben nach der Art wie es James Allen in seinem kleinen Buch tut.

Grundlegend ist die Feststellung, dass der Mensch sein Handeln und damit seine Lebensumgebung durch mentale Prozesse aktiv bestimmt – anders formuliert also durch sein Denken. Darüber hinaus kann man diese Ansicht auch anhand einer existentiellen Psychotherapie verdeutlichen, welche beispielsweise von Dr. James Bugental in seinen fundamentalen Postulaten [1] vertreten wird. Für uns sind an dieser Stelle lediglich zwei relevant:

  1. Der Mensch ist bewusst (und kann nicht verstanden werden durch eine Psychologie, die die kontinuierliche vielschichtige Selbstbewusstheit des Menschen nicht anerkennt.)
  2. Der Mensch ist intentional (der Mensch weist auf die Zukunft; er hat Zweck, Werte und Sinn.)

Was möchte James Allen erreichen?

Intentionalität und Bewusstheit sind ausschließlich mentale Prozesse in unserem Geist, die jedoch in ihrer direkten Wirkungsweise nicht zwingend geistig bleiben, sondern oftmals als physische Handlungen manifestiert werden.

Die These der mentalen Verursachung stützt sich auf die Intuition, dass bestimmte mentale Phänomene, z.B. Wünsche und Überzeugungen, die Ursache von Verhaltensweisen, d.h. von rein physischen Phänomenen, sein können. Auf dieser Intuition bauen unsere alltagspsychologischen Erklärungen auf:
Wir sagen, dass jemand vor Freude weint, vor Schreck starr ist. Wir erklären die Handlung einer Person, z.B. dass sie sich einen Kaffee in der Kantine holt, durch Hinweis auf ihre Wünsche (sie möchte einen Kaffee) und Überzeugungen (sie weiß, dass es dort Kaffee gibt) als Ursache für die Handlung.
[2]

Gleich zu Beginn des Buchs stellt James Allen sein Motiv dar, nämlich die Menschen dazu zu bringen „eine Wahrheit zu entdecken und zu erkennen: dass sie wahrhaftig ››ihre eigenen Schöpfer‹‹ sind, und zwar durch die Gedanken, die sie hegen und befördern. [3, S.7]

Allein der Geist ist es, der formt und schafft, und der Mensch ist Geist. Ergreift er mit ganzer Kraft dieses Werkzeug des Gedankens und formt, was er will – so schafft er Freude, Leid.

Und denkt er still und im Geheimen, tritt es doch ans Licht: Ein Spiegel seine Welt ist, und mehr nicht.
[3, S.6]

Wir sind nicht Opfer äußerer Umstände

Auch wenn James Allen keine klare Philosophie vertritt, steht seine Idee vom Menschen und seiner Tätigkeit auf einer makellos definierten Grundlage, die man als Responsibility assumption  (Verantwortungsannahme) kennt. Diese Ansicht besagt, dass ein Individuum umfangreiche oder vollständige Verantwortung für die Ereignisse und Umstände seines persönlichen Lebens besitzt.

In der starken Version bedeutet dies, dass jeder Mensch sich in seiner derzeitigen Situation wiederfindet, aufgrund seiner vergangenen Entscheidungen, Wünsche, Taten und so weiter: Jeder Mensch ist dort, wo er ist, nur aufgrund des Gesetzes seines Seins. Alle Gedanken, die er in seinen Charakter eingebaut hat, haben ihn dorthin gebracht –  und in all den Umständen seines Lebens gibt es kein einziges Element des Zufalls, stattdessen ist alles das Ergebnis eines Gesetzes, das gar nicht irren kann [3, S.17].

Demnach suggeriert die Verantwortungsannahme auch die Fähigkeit des einzelnen Menschen seine Zukunft zum Hauptteil selbstständig mithilfe seiner Gedanken zu beeinflussen. Wir sind in der Lage die eigenen Handlungen zu überdenken, Konsequenzen abzuschätzen und jeder noch so schlimmen Situation mit entsprechenden Überlegungen so zu begegnen wie wir es wollen.

Die Handlung ist die Blüte des Gedankens, und Freude und Leid sind ihre Früchte. Der Mensch erschafft oder verwirkt sich selbst. [3, S.10]

Wir ernten was wir säen

Schon die alte christliche Tradition vertritt diese Form einer Fähigkeit von aktiver Verantwortlichkeit des Menschen – natürlich mit einer anderen, nämlichen göttlichen Ausrichtung: So täuscht euch nicht! Macht euch klar, dass ihr Gott nicht einfach missachten könnt, ohne die Folgen zu tragen.

Denn was ein Mensch sät, wird er auch ernten. 

Wer nur nach seinen sündigen Neigungen lebt, wird sich damit selbst zu Grunde richten und schließlich den Tod ernten. Aber wer lebt, um dem Geist zu gefallen, wird vom Geist das ewige Leben erhalten. Deshalb werdet nicht müde zu tun, was gut ist. Lasst euch nicht entmutigen und gebt nie auf, denn zur gegebenen Zeit werden wir – die Gläubigen – auch den entsprechenden Segen ernten. Lasset uns jede Gelegenheit nutzen, allen Menschen Gutes zu tun, ganz besonders aber unseren Brüdern und Schwestern im Glauben. [4]

Im Unterschied zu James Allens Position betont die Bibel ein moralisches Element, das heißt die Verantwortung für gute, positive, tugendhafte Handlungen, während James Allen in erster Linie nur die These untermauert, dass ein Individuum seine Zukunft in jede Richtung lenken könne –  zunächst ungeachtet der moralischen Beurteilung.
Es gilt also prinzipiell nur, dass unser Denken zu jeder Zeit uns selbst und unser Leben bestimmt.

Ausblick: Neuroassoziative Konditionierung

Im sechsten Kapitel seines Bestsellers Awaken the Giant Within führt Anthony Robbins eine greifbare Methode an, nach der man sein Leben verändern kann und an die wir nun über James Allen und seine Thesen anknüpfen können:

NAC (Neuro-Associative Conditioning) gestaltet ein systematisches Werkzeug zur Umwandlung bereits vorhandener Überzeugungen, Einstellungen und festgefahrener Handlungsmuster. Ursprünglich aus dem Verfahren des NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) entlehnt, gründet sich die NAC auf einer Reihe einfacher Grundprinzipien:

  • Treffe eine Entscheidung bezüglich deiner Ziele
  • Bestimme jene Faktoren, die dir bislang dabei im Wege standen
  • Erschaffe dir massive Motivation, indem du großen Schmerz mit deiner aktuellen Situation verbindest und riesige Freude mit der Vorstellung der veränderten Situation
  • Unterbreche alte Handlungsmuster, die deine unerwünschten Gewohnheiten unterstützen
  • Suche dir stattdessen eine neue ermutigende Alternative
  • Diszipliniere die neue Tätigkeit bis sie zur Gewohnheit wird
  • Evaluiere dein Wohlempfinden mit der neuen Situation

Wie können wir unser Verhalten verändern?

Als unglaublich erfolgreicher Motivations- und NLP-Trainer formuliert Robbins [5]: Wenn du und ich unser Verhalten verändern möchten, gibt es nur einen effektiven Weg: wir müssen unerträgliche und unmittelbare Sensationen von Leid mit unserem alten Verhalten, und sensationelle und sofortige Sensationen der Freude mit unserem neuen Verhalten verbinden.

Auf diese Weise greifen wir auf die dunkle verborgene Macht unseres Tierwesens zurück, dessen Triebausrichtung zwischen Lust und Schmerz ein kaum zu überwindendes Potenzial darstellt. Damit wären wir wieder im Gebiet des Unbewussten, das wir auf diese Weise für uns aktiv nutzbar machen können.

Zuletzt bleibt natürlich diese bedeutende Frage unbeantwortet im Raum stehen: Wie kann ich diese abstrakten Ideen in meinem konkreten Alltag anwenden? Wen diese Frage ganz besonders interessiert, hat meine folgende Empfehlung wirklich zu beherzigen.

Ich sage echt selten, dass ich überzeugt bin, doch in diesem Aspekt trifft dies zu:  Jeder sollte As a Man Thinketh und Awaken the Giant Within lesen. Wir finden in diesen wirklich hilfreichen und vor allem alltagsrelevanten Werken einen großartigen Leitfaden für persönliche Entwicklung und Selbsttransformation. Zu genau diesem Stichwort habe ich außerdem ein kleines E-Book verfasst, das du hier gratis downloaden kannst.

Exkurs: Problem einer Grenze des Unbewussten

Die Frage inwieweit wir auf eigene Weise vollständig unser Leben kontrollieren können, hängt eng mit dem Maß an Macht, Verantwortung und Stabilität zusammen, welche wir uns selbst, also dem Menschen als Wesen zugestehen oder absprechen wollen – in anderen Worten mit unserem Menschenbild.

Was ist der Mensch? Was bewegt ihn? Wie kommt er zu seinen Handlungen? Letztere Frage legt die Grundlage für alle Überlegungen innerhalb dieses Themas. Wenn eine Person handelt, sehen wir ihr durch diesen konkreten Akt eine Verantwortung beigemessen, welche suggeriert, dass eine willentliche Entscheidung gefällt wurde.

Nun ist diese Schilderung natürlich nicht immer völlig zutreffend. Wir würden zwar sagen, dass gesetzt der Fall, eine Person entscheidet sich zwischen einem Schnitzel und Braten für das Schnitzel, dieser ganze Wahlprozess bewusst und intentional ist, im Gegensatz dazu aber das Erbrechen des Schnitzels keineswegs auf notwendige Weise willentlich geschieht.

Mit unserem biologischen Basiswissen erscheint es für uns ganz offensichtlich, dass es eine riesige Anzahl von außerwillentlichen Abläufen, wie Reflexe und Triebe gibt, doch aus einer psychologischen Sicht wird die obige Feststellung noch wesentlich problematischer.

Die kolossale Schwierigkeit trifft uns in der Bestimmung einer Grenze zwischen bewusst und unbewusst im Geiste. Inwieweit vermischen sich unsere unbewussten mentalen Vorgänge mit jenen, die wir für unsere eigenen aktiven und selbsterschaffenen halten? Ich habe zu diesem Themenkreis bereits einen Beitrag im Zusammenhang mit den Archetypen geleistet auf den ich an dieser Stelle kurz hinweisen möchte.

In der Konklusion des archetypischen Modells wird der Schluss gefasst, dass jeder Mensch eine prinzipiell ähnliche Struktur der Psyche aufweist, welche tiefe Ebenen des Unbewussten beinhaltet, die wir mit unserem Bewusstsein niemals erreichen können. Aus dieser gleichgeschalteten Ordnung erwächst nach Carl Jung, dem Begründer dieser psychologischen Theorie, auch die Ähnlichkeit von Mythen und Glaubensvorstellungen, die wir in allen Komplexen der gesamten Menschheitsgeschichte wiederfinden.

Haben wir wirklich einen freien Willen?

Man könnte dies so auffassen, dass man sagt, der Mensch sei schwach determiniert zu diesen Ideen zu kommen.

Die weitaus spannendere Frage ist, ob es auch eine Form des starken Determinismus gibt. Nach dieser Vorstellung existiert gar kein freier Wille, woraus konsequent folgt, dass auch ich hier nur schreibe, weil ich dazu auf der Basis von festen Naturgesetzmäßigkeiten bestimmt bin und gar nicht selbst entscheide, auch wenn ich mir das vielleicht einbilde.

Nun klingt das zunächst völlig irrsinnig, aber darin täuschen wir uns, und zwar deshalb, weil die gesamte moderne Naturwissenschaft auf diesem Prinzip beruht. Man spricht in diesem Kontext auch davon, dass die physische Welt kausal abgeschlossen ist – demnach  geschieht nichts in diesem Sinne zufällig, sondern nur auf der Basis komplexer Zusammenhänge.

Abgesehen davon hätte solch ein Determinismus natürlich weitreichende Konsequenzen für jede Ethik, da – laut einer deterministischen Auffassung – man keinen Mörder bestrafen könnte, da der Mord ja so passieren musste, eben wie alles so passieren musste: die Erfindung des Rads, die Weltkriege, die Ermordung von Mahatma Gandhi und so weiter. Ich persönlich finde diese Thematik enorm spannend und kann nur diesen hervorragenden Aufsatz von Dr. Thomas Grundmann von der Universität Tübingen diesbezüglich empfehlen.


Quellen und Verweise

[1] Irvin D. Yalom: Existenzielle Psychotherapie, Edition Humanistische Psychologie, EHP Verlag Andreas Kohlhage, 2015, S.32f. | Literatur (DEU)

[2] Albert Newen: Philosophie des Geistes, Eine Einführung, C.H. Beck, 2013, S.15 | Literatur (DEU)

[3] James Allen: Wie der Mensch denkt, so lebt er, MGV Verlag, München, 2017 oder As a Man Thinketh (ENG) | Literatur (DEU)

[4] Bibel: Wir ernten, was wir säen: Galater 7-10 | Literatur (DEU)

[5] Vgl.: Anthony Robbins: Das Robbins Power Prinzip: Befreie die innere Kraft oder Anthony Robbins: Awaken the Giant Within | Literatur (DEU/ENG)

Empfehlungen

Narabo: E-Book, Kleiner Leitfaden zur Selbsttransformation | PDF (DEU)

Anthony Robbins: Offizielle Seite und Infos zu NAC | Webseite (ENG)

Les Brown: Motivationsredner | Webseite (ENG)