Narabo - Vegetarismus und Veganismus aus philosophischer Sicht

Wir kommen mehr und mehr in die Lage unsere Einstellungen zu Konsum und Nahrung zu überdenken.

Aus verschiedensten Gründen hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Bewegung gegen den Verzehr von Tieren und die Nutzung tierischer Produkte geformt, die mittlerweile ein alltägliches Phänomen wird: Veganismus und Vegetarismus sind für uns keineswegs Fremdbegriffe. Wie erklärt sich dagegen unsere derzeitige Tierethik und warum ist es bislang stets akzeptabel gewesen Fleisch zu verzehren? Welche Ansichten sprechen für und gegen diese Haltung bzw. Lebensweise?

INHALT ÜBERBLICK
  1. Historische Entwicklung
  2. Grundlagen unserer Fleischgesellschaft
  3. Anthropozentrisches Weltbild
  4. Gewohnheit, Distanzierung, Verharmlosung
  5. Fleischkonsum aus philosophischer Sicht
  6. Buddhistische Ethik
  7. Descartes: Automatenlehre
  8. Kant: ethischer Rationalismus
  9. Schopenhauer: Mitleidsethik
  10. Fazit: Jeremy Bentham und sein Gleichheitsgrundsatz
  1. Ist der Verzicht auf Fleisch als Nahrungsmittel eine neue Bewegung?
  2. Welche grundlegenden Faktoren unserer Kultur fördern den Fleischkonsum?
  3. Welche Ansichten hat das Christentum, der Buddhismus oder Hinduismus?
  4. Auf was gründet die Tierethik in Europa?
  5. Wie entwickelte sich das Verhältnis von Mensch zu Tier mit der Zeit und kann man von diesen Veränderungen heutzutage etwas sehen?
  6. Was ist der Gleichheitsgrundsatz der Tierethik?

Historische Entwicklung

Aus historischer Tradition heraus und durch die Vererbung von Lebensweisen befinden wir uns in einer Kultur, die Fleischkonsum als Normalität betrachtet.

Es gab in der Geschichte Europas, seit der geschätzten Entwicklung der domestizierten Nutztierhaltung vor circa 9000 Jahren, kein längeres und geografisch ausgedehntes Zeitfenster, in dem der bewusste Verzicht auf Tiere als Nahrung aufrechterhalten wurde – bis auf eine erwähnenswerte Ausnahme: Die Schule der Pythagoräer aus dem antiken griechischen Zeitalter.

Diese Schule war eine religiös-philosophische und auch politische Anhängerschaft aus dem heutigen Süditalien im frühen 6. vorchristlichen Jahrhundert, die von all ihren Anhängern eine strikte Einhaltung von Ernährungsformen verlangte, worunter natürlich auch der Nicht-Verzehr von Tieren fiel. Außerdem sollte ihr Begründer (Pythagoras von Samos) jedem Leser bereits aus dem Matheunterricht bekannt sein.

Die Motivation für diese Ernährungsform entstammte der Vorstellung einer Seelenwanderung, ein Konzept das höchstwahrscheinlich durch den Einfluss indischer Traditionen – darunter v. a. die Lehre des Geburtenkreislaufs Samsara – auf die Ideen und Leitsätze des Pythagoras übertragen wurde. Wie und warum sich die Seelenlehre auf die Ernährung auswirkt, sehen wir später im Abschnitt zur buddhistischen Ethik in Hinblick auf die ursprüngliche hinduistische Position.

In jedem Fall kann die Lehre der pythagoräischen Schule angesichts ihrer strengen vegetarischen Lebensweise für die großflächige Verbreitung der vegetarischen Lebenshaltung als fundamental betrachtet werden. Erst aufgrund der vor wenigen Jahrzehnten aufgeblühten Bewegung des neuzeitlichen Vegetarismus konnte solch eine Haltung in einem größeren gesellschaftlichen Kontext wieder Stellung beziehen.

Beispiel: Zunahme des Vegetarismus

Vegetarier und Veganer in Deutschland - Quelle: vebu.de

Vegetarier und Veganer in Deutschland – Quelle: vebu.de

Neuere Umfragen bestätigen einen stark wachsenden Anteil von Vegetariern und Veganern sowie auch stetig ansteigende Umsätze von fleisch- und mehr tierlosen Produkten. Im Jahre 2016 sollen sich schon 9 % aller Deutschen ganz bewusst auf eine vegetarische oder vegane Ernährung umgestellt haben. Derzeit (2018) ist die Zahl auf über 10 % angewachsen.

Es verhält sich tatsächlich so, dass in der Zeitperiode zwischen den geringen Anfängen des Vegetarismus in Europa durch die ersten Pythagoräer und der modernsten Entwicklung zu einer fleisch- und tierlosen Ernährung ganz allgemein faktisch nichts für tier-ethische Standpunkte geschehen ist. Wir müssen uns fragen, wieso für mehr als 2000 Jahre der brutale Umgang mit Tieren eine durchaus harmlose und deshalb nun schon immer eine vor allem auch wenig beachtete Angelegenheit gewesen ist. Damit werden wir beginnen.

Grundlagen unserer Fleischgesellschaft

Um diese Frage irgendwie beantworten zu können, müssen wir die Grundpfeiler unserer Gesellschaft betrachten. Im Folgenden möchte ich von der historischen Situation auf die maßgeblichen Einflussfaktoren der heutigen tier-ethischen Gegebenheiten wechseln, die innerhalb der Thematik von vegetarischer und veganer Ernährung ohne Zweifel eine schwerwiegende Rolle spielen.

An erster Stelle sollten wir festhalten welche offensichtlichen ethischen Probleme wir in unserer Gesellschaft durch die systematische Nutzung und Ausbeutung von Tieren beobachten können:

  • Grausamkeit und Quälerei
  • Auf Gewinn ausgelegte Produktion
  • Massenzucht und Massenkonsum
  • Krankheiten und Hygiene
  • Fleischsucht und Beschönigung

Denken wir zurück an eine Zeit vor der Industrialisierung, das heißt an eine Zeit in der an erster Stelle weniger anspruchsvolle Anforderungen für die Ernährung gängig waren, dann wird uns einleuchten, dass der Bezug zu Fleisch und Tierhaltung ein vollkommen anderer gewesen sein muss als der heutige, vor allem deshalb, weil das Aufziehen und Schlachten der Tiere noch vor eigenen Augen oder sogar durch eigene Hand stattfand.

Deutsche Militärmetzger im Schlachthaus - Foto: Oscar Tellgmann

Deutsche Militärmetzger im Schlachthaus – 1914 – Foto: Oscar Tellgmann

Wir haben insbesondere in der heutigen Gesellschaft einige Faktoren zu verzeichnen, welche den Fleischkonsum begünstigen, die zudem mehr oder weniger stark in den letzten einhundert Jahren durch die noch heute weiterhin andauernde Industrialisierung, den steigenden Wohlstand und die vielen technischen Errungenschaften gefestigt wurden.

Anders gesagt: Wir besitzen gewisse Grundüberzeugungen und haben gesellschaftliche Rahmenbedingungen für den Fleischkonsum geschaffen, die sich hauptsächlich in vier Grundpfeilern offenbaren: dem Anthropozentrismus, der Gewohnheit, Distanzierung und Verharmlosung.

1. Anthropozentrisches Weltbild

Der Begriff Anthropozentrisch leitet sich aus dem griechischen Wort ánthropos für Mensch und dem lateinischen Wort centrum für Mittelpunkt ab. Ausgehend von dieser etymologischen Wurzel, werden der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt allen Geschehens gestellt.

Im europäischen, also christlich geprägten Raum, ist diese Ansicht stark mit den Glaubensstrukturen verwoben. Das Vorrecht der Menschen können wir leicht aus der Bibel in Genesis 1, 27-28 ablesen:

Gott schuf den Menschen als sein Abbild; als ein Abbild Gottes schuf er ihn … Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde und unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.

Durch den Herrschaftsauftrag, den der Mensch von Gott als sein Ebenbild und letztes Schöpfungswerk erhält, wird ihm offensichtlich die Krone aufgesetzt: der Mensch steht im Zentrum der Welt. Eben aus dieser zwar uralten aber noch bis in die Moderne fortbestehenden Haltung folgt die berühmte Sentenz: Der Mensch ist das Maß aller Dinge.

Interessanterweise lautet der nachfolgende Abschnitt: Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der Erde, die Samen tragen, sowie alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Einerseits sind wir also nach biblischer Vorstellung nun geschaffen, um über die Welt und die Tiere zu herrschen, andererseits steht eine vegane Ernährungsweise direkt festgeschrieben.

Einzelne Sätze aus der Bibel herauszugreifen und daraus normative Paradebeispiele abzuleiten wäre natürlich ein Fehler, doch es soll gesagt sein, dass der Wissenschaftliche Beirat für Umweltfragen der EKD sich hinsichtlich des Verhältnisses von Mensch und Tier auch um einiges weitläufiger geäußert und sich in einem Diskussionsbeitrag gegen das vermeintliche Recht, Tiere töten und verspeisen zu dürfen, ausgesprochen hat [1]. In der Realität zeigt sich jedoch keine Umsetzung dieser Worte.

Einfluss des biblischen Menschenbilds

Das anthropozentrische Weltbild wurde ebenfalls durch den gravierenden Einfluss von vielen neuzeitlichen, also vor allem rationalistisch geprägten Ansichten aus der Philosophie der Aufklärung verstärkt, die sich wohl nie so richtig von dieser biblischen Anschauung haben entfernen können. Besonders solche Ansichten, die maßgeblich durch Descartes und Kant aufgestellt wurden, haben die Bresche zwischen Mensch und Tier noch auf extremere Weise aufgeschlagen.

2. Gewohnheit

Wir leben innerhalb fester Verhaltensmuster, die wir größtenteils nicht selbst gewählt haben, sondern aus der Tradition heraus vererbt bekommen haben. Ein junges Kind kann zum Beispiel nicht entscheiden, ob es Fleisch essen will oder nicht und muss sich nun der elterlichen Entscheidung überlassen. In praktisch allen Fällen wird man demnach zum Fleischesser erzogen und überdenkt diese Gewohnheit in späteren Jahren auch nicht mehr.

3. Distanzierung

Die Abläufe der Fleischproduktion und grausame Massentierhaltung findet nicht umsonst hinter hohen Mauern statt. Allein durch illegale Videoaufnahmen hat die breite Öffentlichkeit von den erschreckenden Zuständen der Tierzucht erfahren. Die Distanzierung von unangenehmen Prozessen dient dem naiven Prinzip: „aus den Augen, aus dem Sinn.

Andere Beispiele wie Atomendlager, Mülldeponien und Verbrennungsanlagen werden ebenso abgeriegelt und versteckt, um den dahinträumenden Alltagsmenschen nicht mit der wahren und meist sehr furchterregenden Realität in Kontakt zu bringen. Es scheint durch unsere Verdrängung als wüssten wir alle durchaus, dass wir mit unserem Verhalten etwas Falsches tun, doch Verantwortung übernehmen wir trotzdem nicht.

4. Verharmlosung

Würden Menschen damit konfrontiert ein Tier mit eigener Hand zu schlachten, wäre die gesamte Einstellung zum Fleischkonsum gewiss eine andere. Heutzutage findet nicht nur eine Distanzierung zu den grausamen Prozessen der Produktion statt, sondern auch eine allgemeine Entfremdung vom Zusammenhang zwischen dem lebendigen Tier und dem konkreten Tierprodukt. Oder erinnert eine kaschierte Wurst etwa an ein totes Tier?

Dutzende andere künstlich bearbeitete und modifizierte Nahrungsmittel enthalten Fleisch, erzielen jedoch durch gekonnte Manipulation den Effekt, dass es dem Verbraucher vollkommen unbedenklich erscheint dieses Produkt zu essen. Der Zusammenhang zwischen Nahrung und Tötung wird vollkommen verharmlost und verwischt.

Tiere und Fleischkonsum aus philosophischer Sicht

Die Philosophie fragt primär nach dem Verhältnis von Mensch zu Tier. Zudem muss sie in diesem Zusammenhang klären, was man unter dem Begriff Mensch und Tier überhaupt verstehen soll. Zu den ersten großen Vertretern der Tierrechte zählt den britischen Reformer Henry Stephens Salt (1851-1939), der die Frage „Haben Tiere Rechte?“ mit der Antwort „Zweifellos, wenn Menschen sie haben.“ bejahte.

In seinem 1892 erschienenen Manifest „Animal Rights Considered in Relation to Social Progress“ formuliert Salt eine Tierrechtsposition, die er als absolut notwendigen Schritt einer gesellschaftspolitischen Weiterentwicklung des Menschen oder auch der Menschheit versteht.

Die folgenden Punkte gehen dem jedoch noch voraus, indem sie das Thema Tierethik aus einigen verschiedenen möglichen Perspektiven betrachten. Ich möchte die folgenden Aspekte nicht als Argumente für oder gegen den Vegetarismus verstanden wissen, sondern lediglich als Betrachtungen, welche in spezifischen Kulturkreisen die Tierethik fundamental bestimmt haben.

Buddhistische Ethik

Zunächst möchte ich kurz die hinduistische Position einschieben. Das zentralste Konzept im Hinduismus ist das Verhältnis von Atman, der ewigen Essenz des Geistes oder Seele  und Brahman, dem ewigen Urgrund von allem oder auch der sogenannten Weltseele. Oberstes Ziel ist es zu erkennen, dass Atman Brahman ist:

Deshalb steht in den Upanishaden die berühmte Formel: tat tvam asi – ››das bist du‹‹. [2]

Im Hinduismus geht man daher davon aus, dass zwischen der Seele eines Menschen und der Seele eines beliebigen Tieres kein Unterschied besteht. Aus diesem Glauben leitet sich direkt das Unrecht ab, Tiere zu jagen, zu töten und zu essen. Dass dies in der Realität, genau wie im Christentum, nicht umgesetzt wurde, d.h. dass in vedischer Zeit das Töten von Tieren und der Fleischverzehr üblich waren, belegen verschiedenste wichtige Schriften.

Erneut zeigt sich der Gegensatz von der Autorität heiliger Texte und deren Umsetzung.

Die buddhistische Ethik gründet dagegen viel stärker auf dem Prinzip der Unverletzlichkeit des Lebens (ahiṃsā). Alle Gebote und Tugenden, wie die Mildtätigkeit, stehen in direktem Kontakt zu diesem äußerst kräftig betonten Grundpfeiler des Buddhismus.

In den meisten buddhistischen Traditionen ist der Vegetarismus keine Pflicht und sogar Mönche und Nonnen dürfen Fleisch essen, wenn sie davon ausgehen können, dass das Tier nicht von ihrer Hand und für ihre Zwecke getötet wurde. Im Jainismus wir dieses Prinzip von der Heiligkeit des Lebens übrigens auf die Spitze getrieben, indem sogar das unabsichtliche Töten eines Käfers als Untat gilt.

Obgleich der Buddhismus die traditionelle indische (indoeuropäische) Auffassung von der Heiligkeit des Lebens teilt, gilt im allgemeinen aber die Tötung von Leben nur dann als moralisch verwerflich, wenn sie absichtlich oder aus Nachlässigkeit geschieht. [3]

Descartes: Automatenlehre

Descartes führt in seinen Meditationen [4] einen „Beweis“ der Existenz Gottes an, welcher ihm gleichzeitig beweist, dass der Körper und der Geist getrennt existieren müssen. Die starke Verknüpfung und die Interaktion von Körper und Geist, welche man trotzdem offensichtlich erkennen kann, erklärte er durch das Modell zweier völlig synchron laufender Uhren – der große Philosoph Gottfried Leibniz nahm diese Theorie des Parallelismus später übrigens auf.

Wie Descartes nun genau dazu kam ist für uns nicht so wichtig. Bedeutend ist dafür die Schlussfolgerung, dass der Mensch ein Bewusstsein haben muss, während Tiere eigentlich nichts anderes als Automaten seien, also schmerz- und gefühlslose Maschinen ohne Seele. Dieser sogenannte cartesianische Dualismus, der den vernunftbegabten Menschen vom Rest der Welt trennt, wird bis in unsere heutige Zeit vertreten.

Peter Singer liegt also nicht falsch, wenn er sagt, dass für Descartes das Klagen eines Tieres „nichts weiter als das Quietschen eines schlecht geölten Rades“ sei. [5]

Kant: ethischer Rationalismus

Der gute Kant war wohl der größte anthropozentrische Denker schlechthin. Auch das Thema Tierschutz bezieht er auf einen Zweck für den Menschen, indem er sagt:

In Ansehung des lebenden, obgleich vernunftlosen Teils der Geschöpfe ist die Pflicht der Enthaltung von gewaltsamer sowie zugleich grausamer Behandlung der Tiere der Pflicht des Menschen gegen sich selbst weit inniglicher entgegengesetzt, weil dadurch das Mitgefühl an ihrem Leiden im Menschen abgestumpft und dadurch eine der Moralität, im Verhältnisse zu den anderen Menschen, sehr diensame natürliche Anlage geschwächt und nach und nach ausgetilgt wird; [6]

Es zählt der Grundsatz, dass Ethik sich nur auf den Menschen beziehen kann, weil nur dieser Rationalität besitzt.
In anderen Worten soll der Mensch, weil er in der Lage ist die Gesetze der Natur zu erkennen und zudem fähig ist damit Macht über sie erlangen, diese einzig seinen Zwecken zukommen lassen.

Schopenhauer: Mitleidsethik

In seiner Preisschrift über die Grundlage der Moral bezieht Schopenhauer eine äußerst kritische Position gegenüber Kants rationalistischer Stellung. Kant leitet die Beweggründe für moralisches Handeln aus der Vernunft ab, was für Schopenhauer nicht akzeptabel ist. Für ihn fehlt dabei der empirische Beweis, welchen er wiederum im Affekt des Mitleids wiedererkennt.

Aus dem Mitleid kann letztlich ein Grundsatz der Gerechtigkeit sprießen, der Tiere wie Menschen miteinbezieht. Durch diesen Ansatz erweitert Schopenhauer die Verantwortung des Menschen um ein ganz großes Stück, doch löst sich ebenfalls nicht ganz vom Anthropozentrismus, weil Mitleid in seiner Hauptsache nur als ein Affekt des Menschen zu verstehen ist.

Fazit: Jeremy Bentham und sein Gleichheitsgrundsatz

Den Meilenstein hat Jeremy Bentham in seiner “Introduction to the Principles of Morals and Legislation (1789)” erreicht und große Worte muss ich diesbezüglich nicht verlieren. Bentham hat die ganze Tierethik bis heute nachhaltig und mit gutem Beispiel fundamental beeinflusst:

Die Franzosen haben bereits entdeckt, dass die Schwärze der Haut kein Grund ist, ein menschliches Wesen hilflos der Laune eines Peinigers auszuliefern. Vielleicht wird eines Tages erkannt werden, dass die Anzahl der Beine, die Behaarung der Haut oder die Endung des Kreuzbeins ebenso wenig Gründe dafür sind, ein empfindendes Wesen diesem Schicksal zu überlassen. Was sonst sollte die unüberschreitbare Linie ausmachen? Ist es die Fähigkeit des Verstandes oder vielleicht die Fähigkeit der Rede? Ein voll ausgewachsenes Pferd aber oder ein Hund ist unvergleichlich verständiger und mitteilsamer als ein einen Tag oder eine Woche alter Säugling … Doch selbst wenn es anders wäre, was würde das ausmachen? 

Die Frage ist nicht: können sie denken? Können sie sprechen? Sondern: Können sie leiden? [7]


Quellen und Verweise

[1] EKD: Zur Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf | Artikel (DEU)

[2] Andreas Becke: Hinduismus zur Einführung, Junius Verlag, 1996, S.40 | Literatur (DEU)

[3] Damien Keown: Der Buddhismus, Reclam Sachbuch, 2000, 6. Auflage, S.151 | Literatur (DEU)

[4] Vgl.: René Descartes: Meditationen über die Erste Philosophie, 5. Meditation | Literatur (DEU)

[5] Peter Singer: Befreiung der Tiere, Harald Fischer Verlag, 2018, 3. Auflage, S.235f. | Literatur (DEU)

[6] Immanuel Kant: Die Metaphysik der Sitten. Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre, §17 | Literatur (DEU)

[7] Jeremy Bentham: An Introduction to the Principles of Morals and Legislation, 1789, Chapter 17: The Boundary around Penal Jurisprudence, S.143f. | Literatur (ENG)