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Psychologie ist eine der modernsten Wissenschaften überhaupt.

Die moderne Psychologie wird oft als eine interessante und im Mittelpunkt des menschlichen Lebens stehende Disziplin aufgefasst, wobei erstaunlicherweise zu beachten ist, dass sie erst seit 1879 in experimenteller Form existiert. In diesem Artikel werde ich eine kurze Einführung in die moderne Psychologie liefern und dabei einige Missverständnisse ausräumen.

INHALT ÜBERBLICK
  1. Irrtum: Alltagspsychologie
  2. Psychologie als Wissenschaft
  3. (Eine) Formale Definition der Psychologie
  4. Wie, Was, Wer der Psychologie
  5. Ziele der Psychologie
  1. Was ist Psychologie? Was ist sie nicht?
  2. Wie kann man Psychologie definieren?
  3. Was sind ihre konkreten Ziele?
  4. Welche vier Pfeiler hat Psychologie?

Irrtum: Alltagspsychologie

Ständig können wir von unzähligen Perspektiven verschiedene Meinungen darüber vernehmen, wie und was der Mensch ist und will, was und warum er das tut, was er tut und so weiter. Es scheint in den Gesprächen des Alltags häufig hervorzubrechen, dass jeder genau wisse, warum zum Beispiel jemand das Rauchen anfängt oder wie man Kinder am besten erzieht.

Dieses Meer an subjektiven Meinungen und gewohnheitsmäßigen Erklärungen von Verhalten und Handlungen fällt unter den Namen der Alltagspsychologie. Wir alle begegnen dieser streng von der tatsächlichen wissenschaftlichen Psychologie zu unterscheidenden Sammlung von allgemein verbreiteten Vorstellungen auf Schritt und Tritt.

Bekannte Beispiele sind:

  • Frauen reden pro Tag mehr als Männer
  • Hochbegabte haben Defizite im Sozialverhalten
  • An der Handschrift kann man etwas über den Menschen ablesen
  • In der Pubertät haben Jugendliche eine Phase der Rebellion
  • Und viele weitere …

Uwe Kanning, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück, beschreibt solcherlei doch recht einfältige Vorstellungen der Alltagspsychologie kurzerhand wie folgt:

Hierbei handelt es sich um Aussagen, von denen sehr viele Menschen glauben, dass sie den Stand wissenschaftlicher Erkenntnis darstellen, obwohl sie sich in der bisherigen Forschung als falsch erwiesen haben. [1]

Das zentrale Merkmal der Alltagspsychologie ist, dass es auf Subjektivität fußt. Oftmals bilden sich Meinungen über Verhalten und Handlungen von Menschen aufgrund von Einzelerfahrungen, die kurz generalisiert werden und als objektiv akzeptiert dastehen. Wir alle haben insofern eine Mitschuld daran, als wir uns Meinungen über Menschen bilden, die wir nicht weiter hinterfragen.

Die Alltags- oder auch Laienpsychologie ist zudem dadurch gekennzeichnet, dass eine Person eine Hypothese darüber aufstellt, warum jemand etwas tut, diese aber subjektiv untermauert bzw. bestätigt. Es fehlt immer die Objektivität, also die Wissenschaftlichkeit.

Die Unterschiede zwischen Alltagspsychologie und wissenschaftlicher Psychologie sind qualitativ, so zum Beispiel beim Verständnis von Begriffen wie Intelligenz oder Gedächtnis, zudem aber auch quantitativ und graduell [vgl. 3]. Es gibt im ersten Fall keine systematische Methode, um zuverlässige und falsifizierbare Erkenntnisse zu generieren.

Die Methoden, die wir in der Alltagspsychologie anwenden – wie wir die Welt und auch uns selbst wahrnehmen, uns erinnern, Schlussfolgerungen ziehen, Wahrscheinlichkeiten schätzen und unsere Sprache benutzen -, sind potenziell ungenau und mit Fehlern behaftet. [3, S.18]

Nur die wissenschaftliche Methode kann gewährleisten, dass man aus Theorien plausible Hypothesen ableitet, die man sinnvoll überprüfen und bewerten kann. Es ist darum bei der Frage ‚Was ist Psychologie?‚ der erste wesentliche Schritt, Psychologie als Wissenschaft zu verstehen und nicht als Ratespiel.

Psychologie als Wissenschaft

Wie schon mehrfach erwähnt ist die tatsächliche Psychologie aufgebaut als Wissenschaft. Sie hat einen Anspruch auf Objektivität, Reliabilität und Validität, die durch die Erfassung und korrekte Analyse von Daten gewährleistet werden. Dabei nimmt die Psychologie jedoch eine Sonderstellung ein. Sie ist nicht eine Wissenschaft per se.

Vielmehr ist Psychologie ein vitale Kombination aus Geistes- und Naturwissenschaft. Sie ist auch insoweit eine Geisteswissenschaft als sie sich mit dem Menschen und dem Menschsein beschäftigt. Es muss zusätzlich betont werden, dass die jüngere Psychologie bis weit ins 19. Jahrhundert noch der Philosophie, genauer der Metaphysik, zugeordnet wurde und durchaus spekulativ war.

Erst nachdem eine empirische Herangehensweise die Psychologie als experimentelle Einzelwissenschaft 1879 durch Wilhelm Wundt abgrenzen konnte, wurde das Zeitalter ihrer modernen Form eingeleitet. Ab dieser Zeit kann man ihr einen wissenschaftlichen Status zusprechen, der ihre Methodik bestimmt.

Die Psychologie ist darüber hinaus eine ganz besondere Disziplin. Sie ist mit so vielen verschiedenen Fächern in enger Bindung stehend, dass man meinen könnte, sie würde nicht als Alleinstehendes existieren. Das ist jedoch nicht der Fall.

Auch wenn Psychologie in vielen Bereichen und Themen eng mit Philosophie, Biophysik, Biochemie, Anthropologie, Neurowissenschaft, Linguistik und anderen Disziplinen kooperiert, bleibt sie durchaus individuell und eigenständig.

(Eine) Formale Definition der Psychologie

Es gibt ganz viele verschiedene Definitionen der Psychologie genau wie man unzählige Ansätze bei der Definition der Philosophie findet. Trotz dessen werde ich eine gängige Form der Beschreibung vorstellen, die vom berühmten Professor an der Stanford University Richard Gerrig verbreitet wurde [2]:

Psychologie ist die wissenschaftliche Untersuchung des Verhaltens von Individuen und ihren kognitiv-mentalen Prozessen.

Das Wie der Psychologie:

Das Wie der Psychologie zeigt sich wie bereits erwähnt in der wissenschaftlichen Methodik.

Diese ist gekennzeichnet durch Objektivität. Fundament hierfür ist die Erhebung von Daten auf dessen Basis eine psychologische Schlussfolgerung stattfinden kann. Nur auf diese Weise kann eine wahrscheinliche und verlässliche Aussage über menschliches Verhalten getroffen werden. Zentral hierfür ist das Experiment.

Die Methodik gliedert sich indessen in drei Schritte. Erstens wird die klare Analyseebene festgelegt, denn je nach Kontext und Hintergrund der Forschung gibt es verschiedene Standards bzw. Präzisionsvorschriften. Eine schöne Metapher liefert Gerrig. Betrachten wir folgendes Bild von Paul Cézanne:

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Blick auf Auvers, um 1874, Art Institute, Chicago (CO)

Abhängig davon, wem und zu welchem Zweck man dieses Bild zum Beispiel einem Freund beschreiben müsste, entscheidet sich der Standard der Genauigkeit. Möchte der Freund nur wissen, was man dort sieht, dann würde eine kurze Beschreibung ausreichen. Macht er hingegen eine Farbanalyse, muss man viel genauer werden. Dasselbe gilt für die psychologische Forschung.

Das Was der Psychologie:

Der Untersuchungsgegenstand der Psychologie ist meist menschliches (aber auch tierisches) Verhalten und damit verbundene kognitive Prozesse. In gewisser Hinsicht geht es hier um die Arbeitsweise des Gehirns, sowie um das, was wir als ‚innere Ereignisse‘ kennen. Also Denken, Fühlen, Träumen, Planen und so weiter.

Besonders wichtig ist hierbei, dass man überhaupt konkrete und effektive Techniken entwickeln konnte, mit deren Hilfe man nun imstande ist, das Innenleben der Menschen zumindest in Ansätzen zu untersuchen. Der mangelnde technische Fortschritt führte deshalb dazu, dass Psychologie erst sehr spät möglich wurde, obwohl bereits Platon und Aristoteles im europäischen Raum eine Seelenlehre und psychologische Pionierarbeit leisteten.

Das Wer der Psychologie:

Die Subjekte hinter den kognitiven und mentalen Prozessen sind immer Individuen oder deren Ansammlungen in Gruppen, wobei Letzteres mehr der Soziologie zufällt. In jedem Fall wird immer der Mensch oder auch das Tier als Wesen untersucht, was nicht ausschließt, dass man sich exakte Bereiche wie etwa das Gehirn oder noch kleinere Strukturen heraussucht oder ganz in die andere Richtung eine Psychologie der Massen betreibt.

Ziele der Psychologie

Wie jede Wissenschaft zielt auch die Psychologie auf die konkrete Lösung von Problemen, die sich in ihren Zielen äußert. Zu diesen zählt man gemeinhin die Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Kontrolle von Handlungen und Verhaltensweisen auf wissenschaftlicher Basis. [2]

1. Beschreibung

Beschrieben wird das konkrete Verhalten eines Individuums in einem bestimmten Umfeld unter bestimmten Bedingungen. Es werden hierbei Daten gesammelt, die im zweiten Schritt zu einer Hypothesenbildung führen sollen. Je nach Standard muss wie bereits erwähnt eine Analyseebene gewählt werden.

2. Erklärung

Gleich danach wird versucht das Beschriebene zu erklären. Das Erklären geht immer über das Beobachten hinaus. Ich kann zum Beispiel sehen, dass jemand weint, aber daraus nicht auf die Erklärung schließen. Mit der Erklärung zielt man also auf das Warum und auf regelhafte Verhaltensweisen, die man zu finden gewollt ist.

Das Finden einer Erklärung ist meist äußerst schwer. Allein deshalb, weil es praktisch immer viele verschiedene Erklärungen und Ursachen für Verhalten geben kann. Man muss allein die Determinanten des Individuums wie etwa angeborene Intelligenz und Genmerkmale berücksichtigen, wie auch physische Umwelteinflüsse und soziale Phänomene, die uns zu gewissen Zeiten beeinflussen.

Aus jedem Bereich können Ursachen her wirken und mögliche Erklärungen stammen. Hier liegt die Kunst in der Arbeit eines guten Psychologen respektive einer Psychologin.

3. Vorhersage

Kann man etwas erklären, oder hat zumindest eine mögliche Erklärung parat, ist man ebenso in der Lage eine Vorhersage zu treffen. Die Bestimmung einer Vorhersage in der Psychologie zielt auf das Treffen von Aussagen über Wahrscheinlichkeiten, mit der ein bestimmtes Verhalten auftreten kann.

Aus der Erklärung folgt die Vorhersage. Trifft diese zu, wird die Erklärung damit bestätigt.

4. Kontrolle

Die Kontrolle ist das allerletzte Ziel der Psychologie. Kontrolle heißt jedoch keinesfalls Manipulation, sondern Hilfeleistung im Sinne einer verbesserten Lebensqualität. Der Psychologe und die Psychologin zeigen, wie man beispielsweise schwierige Lebenssituationen bewältigen kann und verhelfen durch Selbsthilfe dem Patienten zur Kontrolle über Verhalten und Handlungen seiner selbst.


Quellen und Verweise

[1] Kanning, U. P., Rist, F., Schmukle, S. & Thielsch, M. T.: Mythen der Alltagspsychologie – Was wissen Laien über (vermeintliche) Forschungsergebnisse? Skeptiker: Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken, 26 (1), 2013, S. 10-15 | Literatur (DEU)

[2] Gerrig, R., Klatt, A. (Übersetzer). Psychologie. Pearson, 2016, 20. Auflage, 2ff. | Literatur (DEU)

[3] Sedlmeier, P., Renkewitz, F.: Forschungsmethoden und Statistik. Für Psychologen und Sozialwissenschaftler. Pearson, 2018, S.4f. | Literatur (DEU)